Vereinbarung
„Solidarische Landwirtschaft am Biohof-Mogg“
(SLM)



1. Solidarische Landwirtschaft (SLM)

SLM bezeichnet die besondere Form der Zusammenarbeit als Erzeuger-Verbrauchergemeinschaft mit dem Biohof-Mogg in St. Andrä an der Traisen, seinen

Kooperationspartnern und der mit dieser Vereinbarung begründeten Gemeinschaft der ErnteanteilinhaberInnen (EAI).

2. Aufgaben und Ziele

a) SLM arbeitet nach Richtlinien der biologischen Landwirtschaft. Das Schließen von Kreisläufen und das Gestalten eines vielseitigen Mensch-Land-Boden-Hof-Organismus ist ein zentrales Motiv der Arbeit. Das betrifft sowohl den Kreislauf von Produktion und Reproduktion im Gemüseanbau (d.h. das Einbeziehen der betriebseigenen

Saatgutgewinnung, Sortenpflege und Sortenentwicklung), die Kreisläufe zum Aufbau der Bodenfruchtbarkeit sowie die Verbraucherbeziehungen (d.h. den Kreislauf von

Produktion und Verbrauch).

b) Das Bemühen der SLM ist es, ganzjährig (50 Wochen) eine vielfältige, qualitativ hochwertige und nachhaltig produzierte Gemüseversorgung für einen Personenkreis von

200 EAI sicher zu stellen.

c) Die EAI finanzieren mit ihren Beiträgen (Ernteanteilszahlungen) das Jahresbudget für die naturnahe und nachhaltige Produktion auf den von SLM bewirtschafteten Flächen.

Sie ermöglichen mit ihrem Beitrag auch eine angemessene Entlohnung für die MitarbeiterInnen in der SLM.

d) Das gemeinsame Interesse gilt einer nachhaltig betriebenen Landwirtschaft und der Entwicklung einer zukunftsfähigen landwirtschaftlichen Kultur auf Basis von

gegenseitigem Vertrauen. SLM bemüht sich, ein reichhaltiges Angebot zur Verfügung zu stellen. Mögliche Ernteausfälle durch höhere Gewalt (z.B. durch Hagel, Sturm,

Schädlinge, etc.) wirken sich auf die Größe der Ernteanteile aus und berechtigen nicht zur Rückforderung bzw. Aussetzung von Beiträgen. Wünsche und Anregungen werden

in den entsprechenden Sitzungen der SLM diskutiert und eventuell erforderlichen Beschlüssen zugeführt. Um etwaige andere Projekte am Biohof Mogg zu realisieren, wird die für die SLM zur Verfügung stehende Fläche auf 2 Drittel der Gesamtfläche des Biohof Mogg beschränkt.

3. Durchführung

a) Die EAI decken je zu dem in dieser Vereinbarung festgelegten Fixbetrag (ein Anteil von einem Zweihundertstel des Gesamtbudgets) die Kosten der SLM für ein

Wirtschaftsjahr. Sie erhalten dafür wöchentlich Bio-Gemüse in Form von Ernteanteilen. Im Winter kann es durch Frost dazu kommen, dass Frischgemüse nicht

geerntet werden kann, Lager- und eingekochtes Gemüse wird anteilsmäßig verteilt. Ausgegangen wird von 200 ganzen ErnteaneilsinhaberInnen, die ganzjährig (50 Wochen) mit Gemüse versorgt werden können. Gängige Gemüsesorten sollten ausreichend für alle EAI vorhanden sein. Raritäten und aufwendig zu produzierende Kulturen werden anteilsmäßig verteilt. Um eine gewisse Flexibilität hinsichtlich Ertragsschwankungen und Teilnahme von EAI zu erhalten, findet darüber hinaus in einem eingeschränkten Rahmen ein Verkauf von Gemüse, das von der Gemeinschaft der EAI nicht benötigt wird, an Dritte statt. Die Erlöse aus diesen Verkäufen sowie auch die Erlöse aus Jungpflanzenverkäufen fließen in das Jahresbudget der SLM ein und verringern dadurch den Kostenbeitrag der Gemeinschaft der EAI im Folgejahr. Sollte es auf Grund von Missernten, Ernteausfällen oder Ähnlichem dazu kommen, dass die angestrebte Lieferzeit von 50 Wochen nicht erreicht werden kann, können die Mengen des EA-Inhalts sowie die Lieferperioden den gegebenen Verhältnissen angepasst werden. Eine solche Anpassung hat keine Auswirkungen auf die Beitragshöhen oder die Gültigkeit dieser Vereinbarung oder der Teilnahmeerklärung.

b) Die Auslieferung der Ernteanteile findet an im Vorfeld vereinbarten Standorten statt. Ein Auslieferungsstandort wird ab 10 Ernteanteilen beliefert. Die Ernteanteile werden

immer gesammelt abgegeben und die EAI übernehmen die Verteilung der Lebensmittel an die EAI selbstorganisiert und eigenverantwortlich. An jedem Auslieferungsstandort wird eine verantwortliche Person bestimmt. Dieser Person obliegt die interne Kommunikation und Koordination am jeweiligen Auslieferungsstandort, zu diesem Zweck werden die Kontaktdaten von allen EAI an die jeweilige verantwortliche Person weitergegeben.

c) Die EAI sind eingeladen durch ihre Mitarbeit an den regelmäßigen Tagen der freiwilligen Helferinnen und Helfer (Volunteerstagen), an Aktionstagen und Erntetagen

den Hof zu unterstützen und gemeinsam mit dem Hof auch Feste zu feiern. Die Mitarbeit am Biohof-Mogg findet jeden Monat am zweiten Samstag statt. Jegliche Mitarbeit in der

SLM ist grundsätzlich freiwillig und unentgeltlich.

4. Organisation und Entscheidungsstruktur der SLMA. Jahresversammlung (JVS)

Vor Beginn des Wirtschaftsjahres wird eine Jahresversammlung von der SLM abgehalten, die erstmals vom Biohof-Mogg und in der Folge von dem von der Jahresversammlung gewählten Vertretungsorgan, dem Gremium - Solidarische Landwirtschaft (GSL), einberufen und geführt wird. Die Jahresversammlung ist das wichtigste Organ der SLM, in dem wie folgt Beschlüsse gefasst werden:

a) Die Einladung mit den Tagesordnungspunkten sowie Wahlvorschläge für die Wahl der

GSL-Mitglieder (Gremium - Solidarische Landwirtschaft) erfolgt mindestens 14 Tagevorher.

b) Alle EAI (oder eine bevollmächtigte Vertretung) und der Biohof-Mogg (Betriebsleitung) sind stimmberechtigt. Die Schriftführung wird vor Beginn der Sitzung gewählt.

c) Die Jahresversammlung ist beschlussfähig, wenn mindestens 1/3 der Ernteanteile bzw. nach einer Wartezeit von 30 Minuten mindestens die für das Gremium -

Solidarische Landwirtschaft (GSL) gewählten EAI und zumindest 1 VertreterIn vom Biohof-Mogg (Betriebsleitung) anwesend sind.

d) Die Jahresversammlung entscheidet mit einfacher Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen.

e) Die Jahresversammlung entscheidet über folgende Gegenstände:

1. Genehmigung der letzten 4 Quartalsabrechnungen.

2. Beschluss des Budgets der SLM für das künftige Wirtschaftsjahr im Einvernehmen mit dem (den) Vertreter(n) vom Biohof-Mogg (Betriebsleitung).

3. Bestimmung der Höhe der Beiträge je Ernteanteil für das künftige Wirtschaftsjahr.

4. Wahl der Mitglieder für das Gremium - Solidarische Landwirtschaft (GSL)

f) Das Protokoll der Sitzung wird allen EAI bis spätestens 2 Wochen nach der Versammlung im internen Forum mit einer Einspruchsfrist von 2 Wochen zur Verfügung

gestellt. Der Hinweis mit dem Stichtag für die Einspruchsfrist wird per E-Mail übermittelt.

B. „Gremium - Solidarische Landwirtschaft –“ (GSL)

a) Es wird ein GSL gebildet, dass die notwendige gemeinsame Verwaltung der SLM abwickelt. Es setzt sich zusammen aus zumindest einer Vertretung des Biohof-Mogg

(Betriebsleitung) und mindestens zwei in der Jahresversammlung gewählten EAI.

b) GSL bildet das Überwachungs- und Prüfungsorgan der SLM, hat jederzeit Einblick in alle Unterlagen und übernimmt folgende Aufgaben:

1. Mindestens vierteljährliche Prüfung des Budgets (Quartalsabrechnungsprüfung).

2. Prüfung der Jahresabrechnung vom vorigen Wirtschaftsjahr im 1. Quartal des neuen Wirtschaftsjahres. Die geprüfte Jahresabrechnung wird inklusive dem Prüfbericht allen

ErnteanteilinhaberInnen in einer übersichtlich lesbaren Form (z.B. im internen Forum und per E-Mail mit dem Hinweis zum Forum) mit einer Einspruchsfrist von 6 Wochen

übermittelt. Eventuelle Einsprüche werden im GSL gemeinsam besprochen und bei Bedarf der ASL zur Beschlussfassung vorgelegt.

3. Sammlung und Aufbereitung der Anmeldungen für Ernteanteile (EAI).

4. Überwachung und Mahnung der fristgerechten Zahlungseingänge aller Beiträge für Ernteanteile.

5. Eventuell erforderliche Kündigung von EAI bei Zahlungsversäumnissen oder sonstigen schädigendem Verhalten gegenüber SLM nach einer nachvollziehbaren

Diskussion mit dem betroffenen EAI.

6. Alle Aktivitäten werden der Jahresversammlung als Bericht zusammengefasst vorgelegt.

C. „Arbeitsgruppe Solidarische Landwirtschaft“ (ASL)

Während des Jahres trifft sich die ASL regelmäßig, um sich gegenseitig zu informieren, anfallende Fragen zu erörtern und den Fortlauf des Projektes zu besprechen. Bei Bedarf

kann die ASL Untergruppen zur Lösung von Aufgaben auf bestimmte Zeit bilden. Die Einladung zu einem Treffen erfolgt vom gewählten Vorsitz spätestens 14 Tage vor dem

jeweiligen Termin mit allen zu besprechenden Tagesordnungspunkten und den dafür bereits vorliegenden Unterlagen.

Der ASL gehören das GSL, interessierte EAI und MitarbeiterInnen vom Biohof-Mogg an. Mitglieder werden von der ASL selbst einstimmig aufgenommen.

Darüber hinaus steht es der ASL frei jederzeit auch für alle weiteren an Ernteanteilen interessierten Personen offene Treffen, an welchen diese informativ und beratend

teilnehmen, abzuhalten. Die ASL übernimmt folgende Aufgaben und entscheidet einstimmig, stimmberechtigt sind alle EAI und der Biohof-Mogg (Betriebsleitung):

1. Änderungen in organisatorischen Fragen; sollte es Änderungen geben, werden alle EAI zumindest per E-Mail informiert.

2. Abnahme des Jahresberichtes zum letzten Wirtschaftsjahr im 1. Quartal.

3. Entlastung der GSL.

4. Beschluss über die Verwendung vorhandener Überschüsse und Förderbeiträgen.

5. Finanzen

a) Der vom Biohof-Mogg erstellte Wirtschaftsetat der SLM wird bei einer Jahresversammlung vorgestellt und die Anzahl der zu vergebenden Ernteanteile

festgelegt. Nach derzeitigem Wissensstand geht der Biohof-Mogg davon aus, 200 Personen ganzjährig (50 Wochen) mit Gemüse versorgen zu können.

b) Die Beiträge der Ernteanteile zu dessen Kostendeckung werden ebenfalls bei der

Jahresversammlung festgelegt und können in 12 monatlichen Raten oder einer Jahresrate jeweils im Voraus entrichtet werden.

c) Über die Beiträge und die Kosten der landwirtschaftlichen Produktion wird am Ende eines Wirtschaftsjahres abgerechnet. Es ist nicht geplant Überschüsse zu erzielen. Sollte

dennoch ein Überschuss entstehen, so wird darüber die ASL einen Beschluss für dessen Verwendung fassen.

d) Die Höhe des Beitrages für die Ernteanteile richtet sich nach dem Finanzbedarf der SLM. Da-mit die SLM auch Personen, die weniger Finanzmittel zur Verfügung haben

(gedacht ist vor allem an Studierende, alleinerziehende Personen, arbeitslose Personen) nicht verschlossen bleibt, besteht die Möglichkeit einen Teil der Beitragskosten durch

Mitarbeit am Biohof-Mogg abzuleisten. In solch einem Fall ist eine gesonderte schriftlicheVereinbarung mit der Betriebs-leitung der SLM zu treffen. Jede weitere Mitarbeit ist

grundsätzlich freiwillig und wird nicht finanziell oder anders abgegolten.

e) Bei der JVS wird vom GSL ein Rechnungsprüfbericht für die noch nicht in der JVS behandelten Quartale und über das gesamte vergangene Wirtschaftsjahr sowie ein

Ausblick für das nächste Wirtschaftsjahr vorgelegt. Im 1. Quartal wird der Bericht desletzten Wirtschaftsjahres der ASL vorgelegt und über die Entlastung der GSL

abgestimmt.

6. Verlängerung der Vereinbarung und Austritt

a) Der Austritt ist nur zu Ende des Wirtschaftsjahres möglich und muss spätestens 6 Wochen vor Beginn eines neuen Wirtschaftsjahres bekundet werden. Ein vorzeitiger

Austritt bedingt durch höhere Gewalt oder ähnlichem, ist nur in Einzelfällen möglich und mit dem GSL zu vereinbaren. Der in der Jahresversammlung für das nächste

Wirtschaftsjahr beschlossene Beitrag je Ernteanteil wird spätestens 2 Monate vor Beginndes neuen Wirtschaftsjahres mit dem Stichtag für das Einlangen eines ev. Austrittes (6-

Wochen-Frist) bekannt gegeben. Wird bis spätestens 6 Wochen (Stichtag laut E-Mail und Forum) vor Beginn des neuen Wirtschaftsjahres kein Austritt kundgetan, gilt der

bestehende EAI als verlängert.

b) Der Austritt ist gegenüber dem GSL schriftlich, etwa per E-Mail an info@csa-mogg.at zu bekunden.

c) Ist bis spätestens 6 Wochen vor Beginn eines neuen Wirtschaftsjahres abzusehen,

dass keine ausreichende Anzahl an verbindlichen Teilnahmeerklärungen (EAI)

vorhanden sein wird, dann hat das GSL über weitere Schritte innerhalb von 2 Wochen zu

befinden.

7. Salvatorische Klausel

Sollten einzelne Bestimmungen dieses Vertrages unwirksam oder undurchführbar sein oder nach Vertragsschluss unwirksam oder undurchführbar werden, bleibt davon die Wirksamkeit des Vertrages im Übrigen unberührt. An die Stelle der unwirksamen oder undurchführbaren Bestimmung soll diejenige wirksame und durchführbare Regelung treten, deren Wirkungen der wirtschaftlichen Zielsetzung am nächsten kommen, die die Vertragsparteien mit der unwirksamen bzw. undurchführbaren Bestimmung verfolgt haben. Die vorstehenden Bestimmungen gelten entsprechend für den Fall, dass sich der Vertrag als lückenhaft erweist.